Sportmedizinische Kolumne von Dr. Frank Müller

| Vermischtes | Letzte Änderung:  Wednesday, 17-Apr-2002 22:54:54 CEST

    Hallo und Herzlich willkommen in dieser neuen Rubrik auf Dameneishockey.de.

    Die Webmaster haben mich angesprochen, ob ich hier einen Bereich für medizinische Fragen betreuen kann, und nach einiger Überlegung habe ich bereiterklärt.

    Eines muss ich jedoch von Anfang an klarstellen: Die Inhalte sind sehr allgemein! Im speziellen Einzelfall können therapeutische Maßnahmen, diagnostische Entscheidungen nur mit dem behandelnden Arzt abgestimmt und von diesem getroffen werden! Ich kann hier keine virtuelle Praxis betreiben und zu speziellen, persönlichen Problemen keine Aussage treffen, da ich nicht alle Einzelheiten via Internet erfahren und berücksichtigen kann.

    In speziellen Einzelfällen kontaktiert bitte den Arzt Eures Vertrauens!

    Noch einmal die Lektüre dieser Seiten ersetzt niemals den persönlichen Kontakt zu einem Arzt Eures Vertrauens!

    Auch wenn ich immer Versuche auf dem neuesten Stand des Wissens zu sein, so können doch die Inhalte dieser Seiten in dem ein oder anderen Punkt schnell überholt sein. Das Wissen in der Medizin scheint zu Zeit zu explodieren und ich schaffe es leider nicht neben der normalen Arbeit mich noch umfassend über alle Bereiche der Medizin zu informieren!


    Macht Fraueneishockey unfruchtbar?!

    Das erste Thema, dass ich angehen sollte war die überlieferte Feststellung eines Eishockey-Funktionärs, dass Fraueneishockey unfruchtbar machen würde. Nun wissenschaftlich Untersuchungen dazu gibt es nicht, außer dass Hochleistungssportlerinnen in der extremen Trainings oder Wettkampfphase angeblich Ihre Regelblutung durch Gewichtsreduktion unterdrücken können. Es erscheint ja auch sinnvoll, das ein gestresster Körper sich nicht auch noch dem Stress einer Schwangerschaft aussetzen will. Warum Frau Niemann-Stiernemann dann jetzt schwanger geworden ist, in der Phase des maximalen Trainings, kann die Medizin mit dieser Feststellung jedoch nicht erklären. Also bitte, nicht mit der Begründung des harten Trainings auf Verhütungsmittel verzichten!

    Ansonsten scheint mir der Hinweis, dass manche Damenmannschaften inzwischen darüber nachdenken eine Kindergärtnerin einzustellen ausreichend zu sein um diese unqualifizierte Äußerung abzutun, schließlich gelten die Namen Rückauer (geb. Kürten) und Müller (geb. Wichmann) nur als aktuelle Beispiele gelungener Familienplanung im Bundesliga-Damen-Bereich.


    Myokarditis

    Das nächste Thema ist sehr aktuell! Trotzdem möchte ich noch einmal darauf hinweisen, dass ich zu diesem speziellen Fall keinerlei Informationen habe und auch nicht vor Ort war und somit in keinster Weise hier einen Kommentar oder eine Wertung der Geschehnisse abgeben kann oder darf! Trotzdem scheint in allen Berechen hier ein Informationsbedarf zu bestehen, den ich versuchen möchten mit den mir zugänglichen Quellen zu decken.

    Bereits vor einigen Monaten hatte ich eine Diskussion mit einem Trainer und einer Spielerin der Bundesliga, ob ein Spieleinsatz trotz Antibiotika-Therapie wegen Nasennebenhöhlen möglich ist. Die Spielerin fühlte sich wohl und hatte keine Beschwerden mehr, aber der letzte Beweis für die Ausheilung des Infektes fehlte! Dazu hätte zum Beispiel eine Blutuntersuchung durchgeführt werden müssen und die Spielerin auch nach Beendigung der Antibiotika-Einnahme noch beschwerdefrei sein müssen! Also haben wir, der Trainer und ich, entschieden, dass es sicherer ist, auf einen Einsatz zu verzichten. Der Kommentar der Spielerin war:" Dann erzähle ich halt demnächst nichts mehr!"

    Auf einem späteren Kongress habe ich mit Frau Prof. Graf vom Herz-Kreislauf-Institut der Sporthochschule in Köln über die Problematik gesprochen. Sie kennt die Problematik auch. Es ist besonders für Nicht-Mediziner schwierig zu verstehen, warum man auf stärkere sportliche Betätigung wegen eines banalen Infektes verzichten soll. (Mein Banknachbar bei dem obengenannten Kongress , Arzt für Allgemeinmedizin, hatte mit einer Herzmuskelentzündung nach einem Marathon, den er trotz einer Erkältung gelaufen ist, ein halbes Jahr im Krankenhaus verbracht!) Also:

    Sport, insbesondere Leistungssport zu betreiben mit einer akuten oder chronischen Infektion (grippaler Infekt, Mandelentzündung, akute oder chronische Nasennebenhöhlenentzündung und anderen) ist lebensgefährlich!

    Es gibt drei Mechanismen, wie eine Herzmuskelentzündung auftreten kann:

    1. Viren oder Bakterien befallen direkt den Herzmuskel! Viele dieser Viren machen grippeartige Symptome mit Schnupfen usw.!!!!
    2. Bakterien, welche sich zum Beispiel im Hals-Bereich festgesetzt haben (oder in der Nasennebenhöhle) produzieren Gifte, welche den Herzmuskel angreifen!
    3. Aus verschiedensten Gründen kann das köpereigene Abwehrsystem das Herz angreifen.

    Was passiert?: Es kann zu Herzrhythmusstörungen kommen! Wenn das Herz dann nicht mehr in der Lage ist geordnet zu schlagen kommt nicht mehr genügend sauerstoffreiches Blut im Körper an und die Organe funktionieren nicht mehr richtig.

    Es kann auch zu einer Herzschwäche kommen, wenn dann noch plötzlich Anstrengungen eine Höchstleistung vom Herzen fordern "leiert" das Herz ganz schnell aus und kann sich nicht mehr zusammen ziehen. Die Folge kann sich sicher jeder selbst ausmalen.

    Darum fühlt man sich bei einer Grippe so schlapp, und hat sogar gelegentlich Herzklopfen! Ist nicht die normalste Reaktion auf eine solche Erkrankung sich ins Bett zu legen und sich auch sonst irgendwie zu schonen? Falscher Ergeiz kann mit dem Leben bezahlt werden!

    Ich möchte hier auch noch einmal auf die gerne bagatellisierten chronischen Eiterherde eingehen! Wenn Bakterien in den Nasennebenhöhlen, den Hals-Mandeln oder auch in den Zähnen siedeln könne diese von hier aus ins Blut gelangen! Über den Blutweg kann es zu Absiedelungen in anderen Organen kommen, auch dem Herzen. Im schlimmsten Fall breiten sich die Bakterien im ganzen Körper aus und es entsteht eine sogenannte Sepsis. Es ist immer wieder erstaunlich festzustellen, dass eine chronische Müdigkeit und Leistungsschwäche nach Sanierung einer Zahnvereiterung plötzlich verschwindet!

    Am besten versucht man sein Immunsystem so zu kräftigen, dass eine Erkältung (Grippe) erst gar nicht auftritt. Leider wird dies im Hochleistungsbereich ohne bestimmte Präparate nicht gehen. Während Breitensport (Joggen, Radfahren usw.) das Immunsystem stärkt kommt es im Hochleistungsbereich leider zu einer Schwächung des Immunsystems. Der Körper will vermutlich die Energie sparen, welche für eine funktionierende Immunabwehr benötigt wird. Aber es gibt durchaus Möglichkeiten mit Pflanzlichen Mitteln das Immunsystem zu stärken, auch sollte auf eine ausreichende Zufuhr an Eiweißen und genügende Regenerationsphasen und Ruhepausen gedacht werden.

    Sollte trotzdem eine Infektion auftreten, vielleicht sogar mit Fieber oder Schwächegefühl so ist jede sportliche Höchstleistung verboten!!!!!

 

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Kontakt: alexander maischein & http://alexander.maischein.de