Keine leichte Aufgabe und erst, wer ein wenig hinter die Kulissen beim
Damen-Eishockey geschaut hat, kann diese Leistung so richtig bewerten. 19 junge Frauen im
Alter zwischen 14 und 33 Jahren treten in der MERC-Montur an. Alle sind berufstätig oder
müssen in der Schule büffeln. Es ist bemerkenswert, mit wieviel Engagement die Frauen
das unter einen Hut bringen. Da kommen schon mal Gedanken auf wie"das schaffe ich nie
und nimmer". Aber die Freundschaft in der Gruppe, die sich auch fernab vom Eis gut
versteht, hilft solche Tiefs rasch zu überwinden. Ein guter Zusarnmenhalt ist auch
deshalb wichtig, weil die Cracks im Winter so gut wie keine Zeit für's Privatleben haben.
Während sich Altersgenossinnen am Wochenende in den Discorummel stürzen oder mit
Gleichaltrigen klönen gehen, müssen sich die "Bob-Cats", so nennen sich die
MERC-1)amen, auf ihre eisigen Ziele konzentrieren.
Das heißt auch, frühmorgens oder manchmal spät abends Training im
Stadion. Die anderen Zeiten sind meist schon vergeben. Trotz aller Verbesserungen im
Vergleich zu den letzten Jahren, die Bob-Cats müssen oftmals mit dem vorlieb nehmen, was
übrig bleibt. Es ist sicherlich nicht jederfraus Sache, an einem Samstag frühmorgens aus
den Federn zu kriechen, um kurz danach frisch und munter dem Puck nachzujagen. Aber die
MERC-Damen wären nicht die Bob-Cats, wenn sie sich davon abschrecken lassen würden.
Jedes Wochenende standen zudem in der letzten Saison Punktespiele auf
dem Programm; es ging ja nicht nur um die Qualifikation zur Deutschen Meisterschaft, die
Damen wollten auch den baden-württembergischen Titel einheimsen. Mit Erfolg, mit
überragendem Einsatz schafften sie es. Solches Engagement greift nicht nur die Nerven an,
auch die Geldbeutel bekomman es zu spüren. Das meiste Geld steuern die Spielerinnen und
ihre Familien selber bei. 10000 Mark schlagen für die Auswärtsfahrten zu Buche, dazu
kommen mindestens 500 Mark pro Person für die Ausrüstung. Da ist noch kein Extra dabei,
wie Ersatz für kaputte Schläger oder ähnliches. Auch das Essen wurde bei diesen
Beträgen noch nicht dazugerechnet. Umso dankbarer sind die Frauen und "ihre
Männer", wie Manager Andreas Moray, Trainer Peter Laumann und CoTrainer Uwe Erhalt
für Unterstützung.
Bei aller Harmonie im Umfeld, daß sie Deutsche Meisterinnen werden
würden, hätten sich die Frauen zu Beginn der letzten Saison kaum träumen lassen.
Bislang waren sie immer leer ausgegangen. Einmal wurden sie Letzte, im Vorjahr rückten
sie immerhin auf den vierten Platz vor. Diesmal pellten sie die Teilnahme am Finale an,
allerdings nur in wirklich kühnen Augenblicken. "Dritte, das wäre schon
super," dieser Satz schien ihnen bedeutend realistischer zu sein. In Füssen traten
schließlich die besten deutschen Frauen-Teams an. Füssen, Bergkamen, Kaufbeuren,
Esslingen, Mannheim und das umgeschlagene, dreimalig meisterliche Düsseldorf hießen die
gegnerischen"Frauenschaften". Die Düsseldorferinnen schienen sich zudem schon
sicher, daß sie auch diesmal wieder ganz oben auf dem Siegertreppchen stehen würden.
Zumindest ließ das Auftreten der rheirilschen Cracks darauf schließen. Die
Mannheimerinnen stapelten hingegen tief, sie gaben sich so natürlich wie sie sind und
eroberten damit die Herzen der anderen Spielerinnen. Als es ins Finale ging, feuerten alle
die Bob-Cats an, eine höchst willkommene Unterstützung.
Aber soweit war es noch nicht. Die erste Nacht im Hotel raubte den
Mannheimerinnen fast die Nerven, der Lärm ließ sie nicht schlafen und vollständig
überriächtigt gingen sie am nächsten Tag auf's Eis. Trotzdem gewannen sie gegen
Bergkamen und Kaufbeuren. Im Halbfinale hieß der Gegner Esslingen. 2:0 entschieden die
BobGats das Spiel für sich und hatten den Einzug ins Finale geschafft. Noch glaubte keine
ernsthaft an den Sieg, hatten doch die verzierten Düsseidorferinnen eigentlich die besten
Voraussetzungen für die Meisterschaft mitgebracht.
Es war das Verdienst von Beate Baert, daß die Mannheimerinnen gleich
Aufwind bekamen. Sie schoß nach nur einer Minute das erste Tor. Dann ging es in einem
spannenden Spiel hin und her bis zum 2:2. Kurz vor Schluß fiel schließlich der goldene
Treffer zum 3:2. Zeit zum Jubeln gab es jedoch noch nicht, die Rheinländerinnen setzten
nun alles auf eine Karte und stürmten wie die Wilden. Die letzten 58 Sekunden erschienen
Manager Moray und seinem Team wie "die längsten in unserem Leben". An der Bande
war es sogar noch schliimmer als auf dem Eis. Dort konnten die Frauen wenigstens aktiv ins
Geschehen eingreifen, während die Zuschauer(innen) hilflos zusehen mußten, wie die DEG
immer wieder vor's MERC-Tor kam.
Aber dann war es geschafft. Heulend und lachend lagen sich die
frischgebackenen deutschen Meisterinnen, die Trainer und Betreuer, die Eltern und Freunde
in den Armen.
Jetzt endlich konnte gefeiert werden. Ein strahlender MERC-Vorsitzender
Lothar Mark empfing die siegreichen Cracks mit besonderer Freude. Brachten sie doch die
erste Deutsche Meisterschaft nach dem Titelgewinn der Herren 1980 mit in die
Quadratestadt. Auch von städtischer Seite kam manches Lobeswort. Und die Fans bejubelten
die Damen gleichermaßen.
Jetzt blicken die Bob-Cats in die Zukunft. Vorrangigstes Ziel ist
natürlich die Verteidigung des Titels. Aber es gibt auch noch andere Wünsche. Die
Bob-Cats könnten in nächster Zukunft die Meisterschaft in Mannheim ausrichten,
allerdings nur, wenn sich finanzkräftige Sponsoren dafür finden.
Ein weiteres Ziel ist die Förderung des Nachwuchses. Die Spielerinnen
sind sich ganz sicher, daß so manches Talent im Verborgenen blüht. Es wäre schön, wenn
in nächster Zukunft nicht nur die kleinen Jungen die MERC-Montur anziehen könnten,
sondern auch die Mädchen. Dann gibt's beim MERC wieder einen Grund mehr zum Strahlen.
Angelika von Bülow