Bericht 1988

Archiv | Chronik 1986-1990
Bericht 1988
 | Rückblick 1988/89 | Rückblick 1987/88 | Rückblick 1986/87 | Letzte Änderung:  Saturday, 27-Apr-2002 15:29:24 CEST

     

    Deutscher Meister 1988

    Frauen haben es - trotz fortschreitender Emanzipation - in vielen Bereichen des täglichen Lebens schwerer als Männer. Das gilt auch für's Eishockey. Zwar freuen sich die Vereinsbosse allerorten über immer mehr weibliche Teams, Vorrang haben aber nach wie vor die männlichen Cracks. Umso erfreulicher, daß die MERC-Damen von einem Aufwind sprechen. Immerhin, so die schnellen Kufenkünstlerinrien, bekämen sie mehr Eiszeiten als zuvor, der Vorstand hätte offene Ohren für sie und auch ihre Deutsche Meisterschaft sei gebührend gefeiert worden. Empfang bei der Stadt, ein Autocorso durch die Quadrate, eine eigene Vorstellung beim großen Stadionfest - das sollte inzwischen auch dem letzten Eishockey-Fan klargemacht haben. daß die Damen wer sind in Mannheim.

    Verdient haben sie es sich allemal. Schließlich holten sie in diesem Jahr den begehrten Meister-Titel und zwar gegen einen so starken Gegner wie Düsseldorf.

    damen87.jpg (32825 Byte)

    Die Damen-Mannschaft des MERC in der Saison 1987/88

    Hintere Reihe von Liinks: Trainer Uwe Ekhalt, Manager Andreas Morray, Monika Pilat, Anja Schnetz, Christine Steinkohl, Yovonne Nassner, Agelica Sterzik, Natascha Hyb, Martina Schmitt, Nicole Noschka, Martina Habermaas, Karin Obermaier, Ingrid Micknat.

    Vordere Reihe von links: Ilona Holliday, Linda Holliday, Karin Berlinghof, Monika Strasser, Claudia Haaf, Monika Spring, Beate Beart, Tanja Kieser, Melanie Rach

    Keine leichte Aufgabe und erst, wer ein wenig hinter die Kulissen beim Damen-Eishockey geschaut hat, kann diese Leistung so richtig bewerten. 19 junge Frauen im Alter zwischen 14 und 33 Jahren treten in der MERC-Montur an. Alle sind berufstätig oder müssen in der Schule büffeln. Es ist bemerkenswert, mit wieviel Engagement die Frauen das unter einen Hut bringen. Da kommen schon mal Gedanken auf wie"das schaffe ich nie und nimmer". Aber die Freundschaft in der Gruppe, die sich auch fernab vom Eis gut versteht, hilft solche Tiefs rasch zu überwinden. Ein guter Zusarnmenhalt ist auch deshalb wichtig, weil die Cracks im Winter so gut wie keine Zeit für's Privatleben haben. Während sich Altersgenossinnen am Wochenende in den Discorummel stürzen oder mit Gleichaltrigen klönen gehen, müssen sich die "Bob-Cats", so nennen sich die MERC-1)amen, auf ihre eisigen Ziele konzentrieren.

    Das heißt auch, frühmorgens oder manchmal spät abends Training im Stadion. Die anderen Zeiten sind meist schon vergeben. Trotz aller Verbesserungen im Vergleich zu den letzten Jahren, die Bob-Cats müssen oftmals mit dem vorlieb nehmen, was übrig bleibt. Es ist sicherlich nicht jederfraus Sache, an einem Samstag frühmorgens aus den Federn zu kriechen, um kurz danach frisch und munter dem Puck nachzujagen. Aber die MERC-Damen wären nicht die Bob-Cats, wenn sie sich davon abschrecken lassen würden.

    Jedes Wochenende standen zudem in der letzten Saison Punktespiele auf dem Programm; es ging ja nicht nur um die Qualifikation zur Deutschen Meisterschaft, die Damen wollten auch den baden-württembergischen Titel einheimsen. Mit Erfolg, mit überragendem Einsatz schafften sie es. Solches Engagement greift nicht nur die Nerven an, auch die Geldbeutel bekomman es zu spüren. Das meiste Geld steuern die Spielerinnen und ihre Familien selber bei. 10000 Mark schlagen für die Auswärtsfahrten zu Buche, dazu kommen mindestens 500 Mark pro Person für die Ausrüstung. Da ist noch kein Extra dabei, wie Ersatz für kaputte Schläger oder ähnliches. Auch das Essen wurde bei diesen Beträgen noch nicht dazugerechnet. Umso dankbarer sind die Frauen und "ihre Männer", wie Manager Andreas Moray, Trainer Peter Laumann und CoTrainer Uwe Erhalt für Unterstützung.

    Bei aller Harmonie im Umfeld, daß sie Deutsche Meisterinnen werden würden, hätten sich die Frauen zu Beginn der letzten Saison kaum träumen lassen. Bislang waren sie immer leer ausgegangen. Einmal wurden sie Letzte, im Vorjahr rückten sie immerhin auf den vierten Platz vor. Diesmal pellten sie die Teilnahme am Finale an, allerdings nur in wirklich kühnen Augenblicken. "Dritte, das wäre schon super," dieser Satz schien ihnen bedeutend realistischer zu sein. In Füssen traten schließlich die besten deutschen Frauen-Teams an. Füssen, Bergkamen, Kaufbeuren, Esslingen, Mannheim und das umgeschlagene, dreimalig meisterliche Düsseldorf hießen die gegnerischen"Frauenschaften". Die Düsseldorferinnen schienen sich zudem schon sicher, daß sie auch diesmal wieder ganz oben auf dem Siegertreppchen stehen würden. Zumindest ließ das Auftreten der rheirilschen Cracks darauf schließen. Die Mannheimerinnen stapelten hingegen tief, sie gaben sich so natürlich wie sie sind und eroberten damit die Herzen der anderen Spielerinnen. Als es ins Finale ging, feuerten alle die Bob-Cats an, eine höchst willkommene Unterstützung.

    Aber soweit war es noch nicht. Die erste Nacht im Hotel raubte den Mannheimerinnen fast die Nerven, der Lärm ließ sie nicht schlafen und vollständig überriächtigt gingen sie am nächsten Tag auf's Eis. Trotzdem gewannen sie gegen Bergkamen und Kaufbeuren. Im Halbfinale hieß der Gegner Esslingen. 2:0 entschieden die BobGats das Spiel für sich und hatten den Einzug ins Finale geschafft. Noch glaubte keine ernsthaft an den Sieg, hatten doch die verzierten Düsseidorferinnen eigentlich die besten Voraussetzungen für die Meisterschaft mitgebracht.

    Es war das Verdienst von Beate Baert, daß die Mannheimerinnen gleich Aufwind bekamen. Sie schoß nach nur einer Minute das erste Tor. Dann ging es in einem spannenden Spiel hin und her bis zum 2:2. Kurz vor Schluß fiel schließlich der goldene Treffer zum 3:2. Zeit zum Jubeln gab es jedoch noch nicht, die Rheinländerinnen setzten nun alles auf eine Karte und stürmten wie die Wilden. Die letzten 58 Sekunden erschienen Manager Moray und seinem Team wie "die längsten in unserem Leben". An der Bande war es sogar noch schliimmer als auf dem Eis. Dort konnten die Frauen wenigstens aktiv ins Geschehen eingreifen, während die Zuschauer(innen) hilflos zusehen mußten, wie die DEG immer wieder vor's MERC-Tor kam.

    Aber dann war es geschafft. Heulend und lachend lagen sich die frischgebackenen deutschen Meisterinnen, die Trainer und Betreuer, die Eltern und Freunde in den Armen.

    Jetzt endlich konnte gefeiert werden. Ein strahlender MERC-Vorsitzender Lothar Mark empfing die siegreichen Cracks mit besonderer Freude. Brachten sie doch die erste Deutsche Meisterschaft nach dem Titelgewinn der Herren 1980 mit in die Quadratestadt. Auch von städtischer Seite kam manches Lobeswort. Und die Fans bejubelten die Damen gleichermaßen.

    Jetzt blicken die Bob-Cats in die Zukunft. Vorrangigstes Ziel ist natürlich die Verteidigung des Titels. Aber es gibt auch noch andere Wünsche. Die Bob-Cats könnten in nächster Zukunft die Meisterschaft in Mannheim ausrichten, allerdings nur, wenn sich finanzkräftige Sponsoren dafür finden.

    Ein weiteres Ziel ist die Förderung des Nachwuchses. Die Spielerinnen sind sich ganz sicher, daß so manches Talent im Verborgenen blüht. Es wäre schön, wenn in nächster Zukunft nicht nur die kleinen Jungen die MERC-Montur anziehen könnten, sondern auch die Mädchen. Dann gibt's beim MERC wieder einen Grund mehr zum Strahlen.

     

    Angelika von Bülow

     

 

Unabhängige Dameneishockey Infoseite : http://www.damen-eishockey.de
Kontakt: alexander maischein & http://alexander.maischein.de